Hochkultur in der ARD

Waldis Club
Es gibt viele Möglichkeiten, offene Türen einzurennen. Beispielsweise indem man den Verfall der Kultur beklagt. Die Infantilisierung der Gesellschaft. Oder auch die Verschwendung von Steuergeldern, speziell der GEZ-Gebühren. Besonders gegen-den-Strom-gedacht ist es also nicht, sich über die staatliche Alimentierung einer Sendung zu empören, die die ARD mittlerweile schon traditionell nach ihren Fußballübertragungen während Welt- und Europameisterschaft im Programm hat. Die Welt wird dadurch nicht besser, wenn wir hier festhalten, dass „Waldis Club“ nicht nur ein Stelldichein abgehalfteter Ex-Kicker und nicht minder abgehalfteter leider-noch-nicht-ex-Comedians ist. Dass es sich dabei um einen völlig überflüssigen Fernsehstammtisch handelt, dessen Moderator, der sogenannte Sportjournalist Waldemar Hartmann, wegen seiner anbiedernden Gesprächsführung den Spitznamen „Die Duzmaschine“ trägt, seit einem verunglückten Interview mit einem Bundestrainer Werbepartner einer Brauerei ist und dem unglückseligerweise irgendjemand – er möge in der Hölle schmoren! – den Floh ins Ohr gesetzt haben muss, er habe eine komische Ader.
Gesagt sein muss es trotzdem. Erst recht, nachdem Waldemar Hartmann und sein Moderatorenkollege auch noch einen Song mit dem Titel „Die Besten in Europa“ aufgenommen haben, den „Bild.de“ umgehend zum „offiziellen EM-Song“ kürte, und den das Spaßmacherduo kürzlich bei dem von Florian Silbereisen moderierten „Sommerfest der Abenteuer(!)“, ebenfalls in der ARD, darbot. Es war ein Auftritt, der selbst das abendliche Treiben in Brandenburger Dorfdiscotheken unterbieten dürfte. „Unsere Gruppe ist nicht einfach, doch das sehen wir positiv“, heißt es unter anderem in dem Stück, das ein ganzes Arsenal gänzlich sinnfreier Sentenzen dieses Kalibers feilbietet. Urlaub fürs Gehirn, wenn man so will. Apropros: in ihrem Song „Biergarten Eden“, einem sarkastischen Kommentar zur der seit der WM 2006 alle zwei Jahre wiederkehrenden Schwarz-Rot-Geil-Euphorie, ätzen die Berliner Rapper K.I.Z.: „Warum wir stolz sind? / Blickt aus dem Fenster / glänzende BMWs, saftige Wiesen / (…) / Unsere Hochkultur von hier bis zum Ballermann bekannt.“ Gedichtet wurde das übrigens schon vor besagtem EM-Hit – und zwar von Musikern, die ihr täglich Brot garantiert nicht mit GEZ-Gebühren bezahlen.
Weiteres Material:
- Die FR zu „Waldis Club“
- Zapp zu dem Geschäftsgebahren Waldemar Hartmanns